Als weiteres Beispiel für die massive Intransparenz und die sehr freie Interpretation von „Fakten“ bei Kleinanzeigen möchte ich etwas teilen, das mir erst kürzlich aufgefallen ist.
Da die Sichtbarkeit auf der Plattform (für Pro‑Nutzer wie auch für private Accounts) seit Monaten dramatisch sinkt, haben wir überlegt, ob wir Kleinanzeigen zumindest als Drittanbieter‑Werbefläche testen sollten. Also klassische Bannerwerbung, direkt verlinkt auf unsere Website.
Im Hilfebereich bin ich dann auf diese Seite gestoßen:
Dort wirbt Kleinanzeigen mit folgendem Wert: „36,25 Mio. monatlich aktive Nutzer, maximale Reichweite für Ihre Werbung (Quelle: AGOF digital facts Jan Einzelmonat)“
Das Problem ist weniger, dass die Zahl „falsch“ wäre, sondern dass sie veraltet ist und ein völlig verzerrtes Bild vermittelt. Seit 2023 haben IVW und Statista einen massiven Einbruch der Seitenaufrufe dokumentiert. Wir reden hier nicht von ein paar Prozent, sondern von Verlusten im Bereich von Milliarden Page Impressions, wohlgemerkt: auditiert, schwarz auf weiß.
Und wie reagiert Kleinanzeigen auf diese Entwicklung? In bester „Transparenz“-Tradition hat man die Zusammenarbeit mit der IVW einfach beendet. Wenn die Zahlen steigen, ist Transparenz ein Vorteil. Wenn sie fallen, wird Transparenz plötzlich zum Risiko.
Das ist ein gewaltiger Unterschied. Also habe ich mich gefragt: Wer oder was ist eigentlich diese „AGOF“, auf die sich Kleinanzeigen beruft? Die Antwort ist… aufschlussreich:
Die Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung e.V. befindet sich in Auflösung/Liquidation.
Auf der offiziellen Seite steht wörtlich, dass Gläubiger ihre Forderungen bei der Liquidatorin anmelden sollen. Mit anderen Worten: Kleinanzeigen stützt seine aktuellen Werbeversprechen auf eine Organisation, die es faktisch nicht mehr gibt.
Genau dieses Muster zieht sich durch viele Bereiche der Plattform: Sobald Daten oder Funktionen nicht mehr ins gewünschte Narrativ passen, verschwinden sie. Die Nutzung verlagert sich, die Performance sinkt, aber nach außen wird weiter mit Hochglanz‑Reichweiten geworben, die auf Quellen basieren, die es faktisch nicht mehr gibt.
Das ist zu 100 % Kleinanzeigen‑Style: maximale Intransparenz, kreative Zahlen, und ein Geschäftsmodell, das sich zunehmend von der Realität der Plattform entfernt.