Privatverkäufer sendet gefälschten Artikel - verweigert Rücknahme

Hallo,

ich habe ein als neu inseriertes Markenmusikinstrument bei einem Privatverkäufer gekauft (PayPal-Freund), das sich im Nachhinein als gefälscht herausgestellt hat. Der Betrag war 220 €. Der Verkäufer verkauft relativ viele Instrumente; vermutlich kauft er an und dann stellt er sie ein. Es könnte sein, dass er selbst dies nicht bewusst aus betrügerischen Absichten getan hat.

Als Haftungsausschluss hat er folgende Klausel geschrieben:

“Verkauf von Privat ohne Garantie und Gewährleistung und Rückgaberecht”

Ich habe sofort bei Erhalt feststellen müssen, dass es sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um China-Ware handelt, die vermutlich von AliExpress stammt. Daher habe ich ihn gleich kontaktiert und ihn darauf hingewiesen und um Rückabwicklung gebeten. Jetzt stellt er sich aber quer mit etwas skurillen Argumenten:

“Wenn du Zweifel gehabt hast, hättest du eben mehr Fotos anfordern müssen”

“Ich finde das Instrument trotzdem gut”

“Ich habe das bei einer Auflösung erworben und kenne mich nicht so gut aus. Ich bin ja kein Händler”

“Das Hin- und Herschicken macht jetzt doch keinen Sinn”

“Die (schlechtere) Verarbeitung finde ich für den Preis allerdings unproblematisch”

usw.

Im Chat habe ich ihn auf die Fälschung hingewiesen und um Rückabwicklung gebeten. Auch meine Telefonnummer bekam er, damit wir persönlich drüber reden könnten. Jetzt herrscht Funkstille.

Was würdet ihr tun. Was habt ihr in solchen Fällen schon erlebt und wie ging es aus?

Besten Dank für ein paar Tipps.

P.S

Es handelt sich um ein Schülerinstrument, das normalerweise ca. 500 € neu kostet. Der Preis ist allerdings nicht verdächtig unrealistisch niedrig, da es bei Auflösungen ab und an solche Angebote in diesem Niedrigsegment gibt.

Ich werde mir jetzt vom Deutschlandvertrieb der Marke noch zusätzlich, pro forma, eine Bestätigung einholen, dass es sich um eine Fälschung handelt.

nun…
hat er auf sein wiederspruchrecht in der artikelbeschreibung hingewiesen?
nein, dann sag ihm das oder such einen anwalt auf.

sicher das es eine china fälschung ist?
ja, dann erstatte anzeige, der handel mit plagiaten die als echt angegeben werden, wird verfolgt, nicht nur durch die behörde, sondern auch von den markeninhabern.
du kannst es ihm sagen, macht er blöd, zeig ihn an.

bitte alle gespräche sichern und das angebot ausdrucken.

vg

Danke für die Antwort

Das Gespräch ist gesichert und die Anzeige auch.

Es handelt sich um eine Fälschung, die offizielle Bestätigung werde ich noch - pro forma - vom Vertrieb der Firma besorgen, die die Instrumente in Deutschland vertreibt.

Er hat zwar diesen Passus drin: "“Verkauf von Privat ohne Garantie und Gewährleistung und Rückgaberecht”, aber nach den mir vorliegenden Recherchen ist trotzdem eine Mängelhaftung gegeben.

Ich könnte jetzt natürlich schwere Geschütze auffahren, weil z.B. die Angebote darauf hinweisen, dass man das Profil als gewerblich betrachten könnte. Betrugsanzeige ist auch möglich. Das Profil bei Kleinanzeigen melden usw. Aber ich will eigentlich keinen unnötigen Arger und mache so etwas ungern.

Anwalt ist kritisch, da ich keine Rechtsschutzversicherung habe. Vielleicht über Prozesskostenbeihilfe. Wo ist eigentlich der Gerichtsstand bei so etwas?

richtig, zumal er eh keine garantie geben kann, da nicht der hersteller.

ich hatte auch einen kauf, es ging um einen vergaser der falsch deklariert war.
der verkäufer hat ihn mir geschenkt, samt rückerstattung aller kosten.
das fand ich etwas übertrieben, aber er hat noch was gut bei mir.
ich hatte ihn auch auf seine „fehlende von privat, etc“ hingewiesen.

weise den verkäufer daran hin, vielleicht bekommt er muffesausen und erstattet dir das geld…

habe ich auch nicht, ich hoffe immer auf der angst der leute mit dem gesetz in konflikt zu kommen…

gerichtstand weiß ich nicht.

vg

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Hallo Pustekuchen. Ich würde mich da micht abwimmeln lassen oder scheuen den Gerichtsweg zu gehen.

Fordere den Verkäufer schriftlich (z.B. per E-Mail oder über das Kleinanzeigen-Nachrichtensystem) unter Setzung einer angemessenen Frist (z.B. 14 Tage) zur Rücknahme des Artikels und Rückerstattung des Kaufpreises auf. Schreibe ihm, dass der Verkauf von Plagiaten illegal ist und du rechtliche Schritte einleiten wirst, falls er nicht kooperiert. Das klappt auch super über Inkassodienste (ja, die bösen Inkassounternehmen). Hat bei mir bisher immer super funktioniert, da die Schreiben gleich von einem RA verschickt werden. Das erhöht den Druck ungemein. Zahlen muss der Gegener. Schicke mir gerne eine PM, dann erläutere ich dir das gerne genauer.

Da es sich aber ganz klar um Betrug handelt (wenn man von Arglistigkeit ausgeht), solltest du eine Strafanzeige bei der Polizei erstatten. Dies ist ein wichtiger Schritt, um den Fall auch zivilrechtlich weiter verfolgen zu können. Das geht ganz einfach online.

Viel Erfolg!

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wo gibt es ein inkassodienst für privatpersonen?
ich hatte mal gesucht vor einigen jahren, wollte eine forderung verkaufen, wimmelten mich alle ab, es gehe, nur wenn ich selbständig wäre.

vg

Hallo zusammen,

danke für die Tipps.

Zwischenzeitlich konnte ich mich jetzt mit dem Verkäufer einigen und er nimmt den Artikel zurück, weil auch der Deutschlandvertrieb des Herstellers bestätigt hat, dass es sich um ein (schlecht verarbeitetes) Plagiat handelt. Schon alleine die Tatsache einer fehlenden Seriennummer reicht hier aus.

Anscheinend ist er selbst übers Ohr gehauen worden.

Das mit den Inkassounternehmen ist ein sehr interessanter Tipp, über den ich gerne mehr erfahren würde, da es nicht das erste Mal vorgekommen ist, dass ich Ärger auf dem Portal hatte. Es ist immer gut, wenn man etwas in der Rückhand hat, mit dem man reagieren kann.

Auch anderweitig hat es mich schon mal auf dem Portal erwischt; kein Artikel kam und das Geld (PayPal-Freunde) war futsch und ist auf einem Konto in Malta gelandet. Da hilft natürlich auch kein Anwalt oder Inkassodienst mehr.

Möge die Betrüger der Blitz beim sche….. treffen :grimacing:

Vielleicht gibt es ja ein paar Anbieter, die dies auch für Privatleute machen.

Was bekommt man denn noch von den Inkasso-Leuten, wenn die Forderung weiterverkauft wird?

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ohm, das weiß ich nicht.
ich kannte mal jemanden, der hatte mit den inkassos hier zu tun, der sagte mir mal die behalten in der regel zwischen 15-20% ein, was auch fär ist, wenn sie das risiko tragen.
bei verkauf siehts schlechter aus, hatte mal versucht meinen titel zu verkaufen, da wären gerade mal 30-40% rausgekommen…hab ihn behalten.
ich habe erst vor kurzem jemanden hier kennengelernt, der hat mir auch nen tip gegeben, ich werde da mal anfragen, in 3 jahren ist mein titel dann abgelaufen…

vg

Ein Freund ist ein sehr guter Kunsthandwerker und hatte einen Kunden in Irland, der einfach nicht zahlen wollte. Immer wieder angemahnt und keine Reaktion erfolgte. Dann schrieb er ihm, dass einer seiner Kunden mit seiner Motorradgruppe im Sommer Urlaub in Irland macht und er könnte sich die Arbeit mit der Überweisung ersparen: “Bezahlen sie es bitte in bar, wenn sie bei Ihnen vorbeikommen” Das Geld war innerhalb einer Woche überwiesen :grin:

Bei einer anderen Kundin, die unverfroren bestellt hat, obwohl ihr klar war, dass sie nicht bezahlen konnte (war ne Masche bei der Frau) hatte er auch einen Titel erwirkt. Dann immer wieder jahrelang verfolgt, ob sie nun Arbeit hat und pfändbar wird. Die Hartnäckigkeit hatte sich gelohnt, sie musste auf Heller und Pfennig genau, inklusive vielen Zusatzkosten, alles abstottern.

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sowas kann man dann als nötigung auslegen, besser nicht machen.
es gibt paar solcher jungs die das machen…
in nürnberg glaub ich, da gibts den schwarzen mann, der verfolgt dich mit zylinder und frak, hinten auf der schulter steht „inkasso“ :smile:
aber es gibt noch „moskau inkasso“, das selbe in grün, aber die nehmen sehr viel für ihren auftrag :frowning:
vg und gutes gelingen :slight_smile:

Ich habe mein Geld jetzt zurückerhalten. War eine ärgerliche Geschichte, die mich unnötig Zeit gekostet hat. Werde wohl in Zukunft noch vorsichtiger sein müssen.

Der Verkäufer hat , wie schon von mir erwähnt, mit ziemlicher Sicherheit die gefälschte Ware nicht absichtlich verkauft. Habe ihm empfohlen, das Geld von denen zurückzufordern, bei denen er das selbst aufgekauft hat.

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